Von Justin Rose, President, Worldwide Agriculture & Turf Division, Small Agriculture and Turf Care, Europe, Africa, and Asia
Wenn Menschen an Landwirtschaft denken, stellen sie sich oft große Maschinen, staubige Felder und lange Tage in der Sonne vor. Und obwohl all das weiterhin Teil der Realität ist, befindet sich die Landwirtschaft derzeit in einer der größten Transformationen ihrer Geschichte.
Die Kombination aus wachsender Weltbevölkerung, extremen Wetterereignissen und geopolitischer Unsicherheit schafft ein zunehmend komplexes Umfeld für landwirtschaftliche Betriebe jeder Größe. Gleichzeitig tragen künstliche Intelligenz (KI), Computer Vision und datenbasierte Entscheidungsfindung dazu bei, die Branche produktiver, effizienter und nachhaltiger zu machen als je zuvor.
Vorreiterrolle
Europa steht an vorderster Front dieses Wandels. Und ich bin stolz darauf, dass John Deere gemeinsam mit den Landwirten der Region an einer neuen landwirtschaftlichen Zukunft arbeitet, und das seit Jahrzehnten. Tatsächlich gab es seit der Einführung des ersten John Deere-Lanz Traktors in Europa in den 1960er Jahren viele bedeutende Meilensteine auf unserem gemeinsamen Weg.
Einer der prägendsten war die Integration der Heinrich Lanz AG in Deutschland. Mit der Übernahme ihres Werks in Mannheim (heute unser größtes Werk außerhalb Nordamerikas) etablierte sich Deere als lokaler Hersteller und langfristiger Partner der europäischen Landwirtschaft. In diesem Jahr feiern wir das 70-jährige Jubiläum dieses entscheidenden Schrittes.
Auch unsere Partnerschaften mit europäischen Unternehmen haben sich in dieser Zeit erheblich ausgeweitet, insbesondere in Deutschland. Es bleibt unser größter Markt in der Region – mit sechs Ag-&-Turf-Standorten und rund 7.000 Mitarbeitenden. In jüngerer Zeit hat die Übernahme der Wirtgen Group unsere Kompetenzen über die Landwirtschaft hinaus auf Straßenbau und Infrastruktur erweitert und uns noch näher an unsere Kunden und deren spezifische Produktionssysteme gebracht.
Gemeinsam weiterentwickeln
Doch die Geschichte von Deere in der europäischen Landwirtschaft besteht aus mehr als nur Meilensteinen – sie ist eine Geschichte gemeinsamer Weiterentwicklung.
Denn die Landwirtschaft sieht heute ganz anders aus als in den 1960er Jahren. Betriebe sind professioneller und technologisch fortschrittlicher geworden und bewegen sich in einem Umfeld, das von strengeren Regulierungen, höheren Nachhaltigkeitsanforderungen und globaler Marktvolatilität geprägt ist. Während Produktivitätssteigerungen früher vor allem durch Mechanisierung und höhere Leistung erzielt wurden, werden sie heute zunehmend durch Präzision, Daten und Systemoptimierung bestimmt.
Deere ist mit diesen Veränderungen gewachsen – von einem Maschinenhersteller hin zu einem echten Technologiepartner, der ganze Produktionssysteme unterstützt. Das bedeutet, fortschrittliche Maschinen mit neuen Werkzeugen, Methoden und Services zu kombinieren, die Landwirten helfen, in Echtzeit bessere Entscheidungen zu treffen – und dabei die Vielfalt europäischer Betriebsstrukturen und regionaler Praktiken zu berücksichtigen.
"Die eigentliche Geschichte der Partnerschaften von Deere mit der Landwirtschaft in Europa besteht aus mehr als nur Meilensteinen: Sie ist eine Geschichte gemeinsamer Weiterentwicklung."
Politik als Treiber des Wandels
In einer stark regulierten Region wie Europa spielt auch die Politik eine zentrale Rolle bei der Gestaltung dieses Wandels, insbesondere in einer Zeit, in der Landwirte mit steigenden Betriebskosten, beeinträchtigten Lieferketten und schwer vorhersehbaren Rahmenbedingungen konfrontiert sind.
So bleibt die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) das wichtigste Investitionsinstrument für die europäische Landwirtschaft. Sie sorgt für Einkommensstabilität, ermöglicht langfristige Planung und schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den Mitgliedstaaten.
Andere Regelwerke, wie die EU-Verordnung 2018/848, bringen hingegen zusätzliche Herausforderungen mit sich. Sie zielt darauf ab, landwirtschaftliche Standards zu harmonisieren, um Verbraucher zu schützen und unlauteren Wettbewerb zu verhindern. Gleichzeitig steigen dadurch die Anforderungen an Produktion und Dokumentation – und damit auch die strukturelle und bürokratische Komplexität für die Branche.
Mit zunehmender Regulierung stehen Landwirte vor der Aufgabe, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen – etwa durch geringeren Einsatz von Kraftstoff, Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln und Wasser. Und erneut wird Technologie dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Lösungen wie Präzisionslandwirtschaft, intelligente Maschinen, Automatisierung und vernetzte digitale Plattformen helfen Betrieben, neue EU-Vorgaben einzuhalten und gleichzeitig ihre Maßnahmen im Feld gezielter umzusetzen, zu überprüfen und messbar zu machen.
Präzision in der Praxis
Diese Technologien bringen bereits heute konkrete Vorteile für unsere Kunden in Europa: von geringeren Kosten pro Hektar über höhere Produktivität bis hin zu effizienterem Ressourceneinsatz und weniger Abfall. Ein Beispiel, das mich besonders begeistert, ist das See & Spray™ System von John Deere.
Mithilfe fortschrittlicher Computer Vision kann diese Technologie Nutzpflanzen von Unkraut unterscheiden und Herbizide gezielt nur dort einsetzen, wo sie benötigt werden. Anders gesagt: Die Maschine lernt, das Feld ähnlich zu „sehen“ wie ein erfahrener Agronom.
Das ist Präzisionslandwirtschaft in der Praxis – mit erheblichen Auswirkungen für unsere Kunden. Weniger Herbizide bedeuten direkte Kosteneinsparungen und gleichzeitig eine geringere Umweltbelastung. Darüber hinaus zeigen solche Innovationen, wie Technologie gute agronomische Praxis nicht ersetzt, sondern stärkt, indem nachhaltige Ansätze messbar und wirtschaftlich tragfähig werden. Gleichzeitig erleichtern sie die Dokumentation und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, ein besonders wichtiger Aspekt in Europa.
Partner für die Zukunft
Was die Region Europa besonders macht, ist vor allem ihre Vielfalt. Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland sind häufig kleiner und stärker spezialisiert als in anderen Regionen. Kunden legen großen Wert auf Zuverlässigkeit, lokale Betreuung und die Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Investitionsentscheidungen werden bewusst getroffen – mit Fokus auf die Gesamtbetriebskosten und nicht nur auf kurzfristige Leistungskennzahlen.
Diese Vielfalt erfordert ein hohes Maß an Lokalisierung. Der Erfolg von Deere in Europa basiert daher seit jeher darauf, den Kunden genau zuzuhören und Lösungen an lokale Anforderungen anzupassen. Viele unserer wichtigsten Innovationen entstehen aus Gesprächen direkt auf dem Feld.
In meiner Rolle erlebe ich diese Zusammenarbeit täglich. Landwirte gehören zu den pragmatischsten Problemlösern überhaupt und wenn Ingenieure, Agronomen, Händler und Landwirte zusammenarbeiten, entstehen daraus starke Lösungen. Deshalb sage ich oft: Wir gestalten die Zukunft gemeinsam.
Für John Deere bedeutet diese Zukunft, ein verlässlicher, langfristiger Partner der europäischen Landwirtschaft zu bleiben – und die Branche dabei zu unterstützen, wirtschaftlichen Druck, regulatorische Veränderungen und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen zu bewältigen, ohne an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.
Wie für die Landwirte selbst gilt auch für uns: Die wichtigste Arbeit geschieht nicht über Nacht, sondern Saison für Saison. Seit 70 Jahren arbeiten wir Seite an Seite daran, den Erfolg der Landwirtschaft zu gestalten. Gemeinsam säen wir heute, was morgen geerntet wird.
Über John Deere
Ob mit Traktoren, Ernte- und Baumaschinen, Rasenmähern oder Forstmaschinen: John Deere leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, nachwachsenden Rohstoffen, Energie und Infrastruktur – und damit zu Bereichen, die für das tägliche Leben von Menschen weltweit von Bedeutung sind.
Die Unternehmensgeschichte begann vor fast 200 Jahren mit der Entwicklung eines Stahlpflugs. Heute steht John Deere für technologische Innovationen in der Landwirtschaft, im Bauwesen, in der Forstwirtschaft, in der Rasen? und Grundstückspflege, bei Antriebssystemen sowie in weiteren industriellen Anwendungen.
Weitere Informationen zu Deere & Company finden Sie unter https://www.deere.com/en-us/our-company/newsroom.
Quelle: JOHN DEERE


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